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ReleasesNachdem ich beschlossen hab, ein Review zu
Leiwande Lines zu schreiben, hab ich heute ein wenig über alte Zeiten nachgedacht, speziell über meine erste Begegnung mit den
Taktikah, in dem Fall
Tesch und
Itchifingaz. Und da fiel mir wieder dieser Workshop in der Zeltgasse ein, der dort vor ?? Jahren stattfand... So traf ich dort neben einigen Leuten, die mir danach nie wieder über den Weg liefen, auch auf eben jene zwei, die sich wie ich auch noch in ihren Anfangsjahren befanden.
Itchifingaz fing gerade mit dem Scratchen an und sah fleißig dem
Zuzee über die Schulter, während sich
Tesch mit den Herrn
Funke und
Farmer an Texten versuchte. So wurde neben echtem "Lernen", Scratch Sessions und Recordings auch viel Zeit mit Diskussionen, Schmäh führen, Hexenverbrennungen, Chillen im Hof und Cafe verbracht, man schaute bei den Breakern im ersten Stock vorbei, sah sich Wave Twisters an (damals noch auf Import VHS) oder schüttelte den Kopf über diesen Typen, der einfach nicht aufhören wollte, die gleichen verdammten 5 Sekunden DJ Tomekk - Ich lebe für Hiphop zu jugglen (die Platte fand dann am Ende des Tages ein brechendes Ende ...). Es war ein Kommen und Gehen, neben den diversen Youngstern kamen mit
Kamp,
Buzz,
Sushi, den
Twin Towas,
Manuva,
Beware und einigen anderen auch jede Menge "Routiniers" vorbei und gaben ihr Wissen zum Besten. Im Nachhinein gesehen waren das wirklich gute Zeiten.
So vergingen die Jahre. Man verbesserte sich in dem was man tat, lief sich manchmal noch über den Weg, tauschte sich aus und arbeitete nebenbei an seinen Projekten und Tracks. Gut Ding braucht Weile. Kommen wir jetzt zum Album.
Es beginnt mit einem 2-minütigen
Intro, in dem
Itchifingaz im Mittelpunkt steht und gleich mal kräftig sein Können zeigen darf - auch wenn es lt. Booklet "Text" gibt, ist es im Prinzip doch ein reiner DJ Track. Die Vocal Cuts sind gezielt ausgewählt und technisch auch sehr sauber und überzeugend, der Beat von
Skitz-O-Phrenic passt auch dazu.
Danach geht es direkt weiter mit
Frag wer wir sind, einem klassischen 3-Minuten-Representer Track, den man vielleicht auch schon von früher aus dem Netz kennt. Für die Musik ist erneut Skitz-O-Phrenic verantwortlich, der hier mit dem langsamsten Beat des Albums die Double Times von
Cayman,
Este und
Tesch ideal unterstützt. Textlich solide, liegt hier der Schwerpunkt doch klar auf Flow & Technik - bei Double Times irgendwie oft so, oder kommt das nur mir so vor?
Es folgt das erste Highlight des Album ...
diese Stadt hat tausend Gesichter...
Cayman,
Este und
Tesch erzählen über den Beat von
Pepone von den vielen Seiten von good old
V.I.E. (Wien) ... vorzugsweise von denen, die man nicht unbedingt in den diversen Touristenführern findet. Der stimmige Beat (klassische Violinen - das passt doch zur "Kulturhauptstadt" Wien, in der seit Jahrzehnten nur klassische Kultur recyclet wird ...), Itchis flotte MD-Cuts und der von
Redeemah gesungene Hook runden das ganze sehr schön ab und so vergehen auch die 5 Minuten Spielzeit recht schnell.
Und gerade als ich mir denk, dass ich von den ganzen Tracks über Wien eigentlich nur Kamps
Ween so passend umgesetzt find, bringt
Itchifingaz auch diesen noch ins Spiel ...
Schuhe. Ja, auch darüber kann man rappen, 3 Minuten lang. "Kleider machen Leute", das wissen wohl auch die Herren
Este und
Tesch und weils in der
TTK Fam ja noch mehr Stimmungen und Meinungen zum Thema gibt, dürfen in
Deine Patschn auch noch die Kollegen
Junes und
Vin Gogh von der
Fat Poets Society (FPS) ihre Ode an Air Force One, Boots oder sonstige Treter bringen. Die Musik kommt das erste Mal von den Jungs selbst, in dem Fall von
Este: Der Beat ist melodisch etwas reduzierter aber funky.
"Dir geb ich nur Props, wenn du das rappen lässt ..."
Jede Menge Punchlines und Schmähs gibts dann auf der
Kampfansage, ebenso die Antwort auf die Frage, warum das Album denn so heisst - wenn das bis zu dem Zeitpunkt nicht eh schon klar war ;)
3 Parts, 3 Hooks, Itchis Cuts zum Abschluß, klassischer Track Aufbau. Beat von
Junes (FPS)
Mikee & Whizzla, zwei junge, talentierte Beatmacher aus Wien und ebenfalls Workshopgeschädigte aus alten Tagen, produzieren dann einen kurzen funky Skit, bei dem der allseits bekannte Hr.
Daua dem Hörer am Telefon erklärt, warum
Taktikah und
PerVers nicht gleich klingen. Check ich zwar nicht ganz, wie man auf die Idee kommen kann (gleicher Schwachsinn wie die alte Diskussion Kamp - Dende), aber als Einleitung für das folgende Feature ganz passend.
Dass ohne das schnöde Geld halt doch nichts weitergeht und auch
Cayman,
Este und
Tesch nicht nur von Fame & Props leben können, darum gehts in den folgenden Minuten; auf
Zuerst kommen die Euros (N-Jin RMX) gibt sich
Dauawhizzy mit dem Hook und einem Part die Ehre,
N-Jin bringts auf den Beat. Kein schlechter Track, der live aber besser kommt.
Es folgt der Partykracher:
Kuck in die Ecke.
Tesch ist hier zum ersten (und einzigen) Mal nicht dabei, dafür springt
Nossek von der
Vetternwirtschaft ein und
Vin Gogh liefert neben dem funky Beat, der auch ohne den witzig abstrakten Hook schon originell genug wirken würde, auch noch einen Part ab. Textlich schwer einzuordnen - zwischen Party, Posen und Representen - funktioniert dieser Track live absolut brilliant und war auf der Release Party definitiv ein Highlight.
Nachdem es ja nicht immer nur ums Geld, Game & Representen gehen kann, muss zwischendurch auch Zeit für Parties, Alkohol, Ladies und
Swingende Hips sein.
Aldente (aus dem Dunstkreis Umfeld) liefert hier seinen ersten musikalischen Beitrag auf dem Album, knappe 6 Minuten voll Gitarren, funkigen Trompeten und Drums um seinen Körper zu bewegen. Insgesamt ein guter Track, der für meinen Geschmack allerdings zu lang geraten ist, was vielleicht auch an den wiederholten Hooks von
Redeemah und
Tesch liegt.
Gut 30 Minuten Spielzeit vorbei, sind wir nun bei ca. der Hälfte des Albums und es kommt die Nummer, die wahrscheinlich schon am längsten bekannt ist (zumindest bei denen, die die Wr. "Szene" etwas aufmerksamer verfolgen) -
Viele Faktoren. Auf Aldentes zweitem Beat des Albums erklären
Este und
Tesch, was sie eigentlich antreibt und zum Schreiben motiviert. Insgesamt der erste "deepere" Track des Albums (textlich persönlicher - v.a. Tesch - und musikalisch sowieso), und ich rate jetzt einfach mal, dass es auch der erste veröffentlichte Track der Jungs überhaupt war (was vielleicht auch daran liegt, dass Tesch hier stimmlich noch etwas anders klingt als auf den anderen Tracks). Vom Arrangement sehr reduziert und einfach - 2 Parts, kein Hook, keine Cuts - gefällt mir der kürzeste Track des Album auch heute noch sehr gut.
Es folgt das nächste Highlight: Auf
Nur Damit Du Weisst bezieht das "wahrscheinlich einzige drogenfreie Tag Team aus ganz Wien" kurz Stellung zur Wiener Szene und ihrer Position in eben jener. Beim Hören des Textes musste ich schon öfters schmunzeln, v.a. Teschs Part trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.
Whizzla bringt einen verspielten Piano Beat und Itchifingaz lässt nach 5 Tracks auch wieder was von sich hören, wobei mir hier das Wechselspiel zwischen Estes Zeilen und Itchis Cuts sehr gut gefällt.
Auf einem herrlich besoffenen Skit philosophieren und schimpfen dann
Johannes & Michael über die "ganzen Wr. Oarschlecha Snobs Beidln", die mysteriösen Geräusche in der Telefon Leitung und was einem bummzua sonst noch so einfällt. Einfach anhören. Zu gut.
Zeit für Wiener Schmäh:
Glaubst Du Wirklich bringt den Wiener Slangsta
A.Geh mit dem Hook und einem Part ans Mikrophon.
Este drückt dem Track mit seinem starken Part und einem funky pumpenden Beat am deutlichsten seinen Stempel auf, auch
Cayman und Teschs Mundart Part können überzeugen. A.Gehs Essensmetapher ist witzig anzuhören, so wie die gesamten Schmähs und Shouts, die im Hintergrund zu hören sind. Auf jeden Fall eine Nummer, die live gut funktioniert.
Weiter gehts mit der
Afterparty. Everybody's Darling
Sheyla J. wurde hier als Verstärkung geholt, singt den Hook, Doubles, einen Part und verleiht dem Beat von
Jamin mit ihrer Stimme einen schönen souligen Touch, wobei mir ihre Gesangsleistung persönlich besser gefällt als Redeemahs (aber das ist Geschmackssache). Inhaltlich geht's mal den Jungs mal wieder um Parties, Ladies und Drinks. Zu diesem Zeitpunkt nichts Neues mehr (Swingende Hips), aber technisch sauber umgesetzt also warum nicht.
Der letzte echte Track des Albums ist dann wieder ein Highlight -
Die Hand eines Menschen.
Was die Hand eines Menschen alles bewirken, erschaffen und anrichten kann, die schöpferische Kraft, die in jedem Menschen steckt und die Wahl, vor die man sich selbst jeden Tag stellen muss, was man mit seiner Energie anstellt (oder auch nicht ...)
Textlich sind die drei Parts sehr abwechslungsreich gestaltet, gut gemacht und machen mit dem stimmigen Beat von
N-Jin und den passenden Cuts von
Itchifingaz den Track zu einem würdigen letzten Statement des Albums.
Und so wie der Herr DJ das Album eröffnet hat, beendet er es mit
Nobody Else Can Do It Better auch wieder und das natürlich im großen Stil (nachdem er im Verlauf des Album mit Cuts auf 5 von 15 Tracks doch zu wenig vertreten war, zumindest für meinen Geschmack) . Über einen angenehm reduzierten Beat von
Vin Gogh wird 2 Minuten lang nach allen Regeln der Kunst gescratcht und gecuttet, von Tone Cuts bis zu diversen passenden Vocal Samples. Saubere Arbeit, Vassily.
Johannes & Michael können sich über die mysteriösen Geräusche in der Leitung übrigens immer noch nicht einigen. Aber sie mögen sich ganz offensichtlich trotzdem. Hehe.